Josephine Lang (1815-1880)

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Vom Relief auf Josephine Langs Grabstein (Stadtfriedhof, Tübingen) abgezeichnet von Frau Jeliana Lang, Pforzheim. Künstler: R. Dietelbach, 1881.© 2001 Jeliana Lang. Alle Rechte vorbehalten.


Josephine Lang in der WLB

Seit 1904 bewahrt die WLB in ihrer Handschriftensammlung unter den Signaturen Cod. mus. II fol. 53 bis 57 einen Teilnachlass von Josephine Lang auf. Insgesamt handelt es sich um 47 überwiegend autographe Hefte, hauptsächlich mit Liedern.

Seit März 2025 kann dieser jetzt digitalisierte Bestand im Rahmen unserer Digitalen Sammlungen online aufgerufen werden.

Liedersammlungen:

Instrumentalstücke:


Weitere Informationen


Biographie

von Prof. Dr. Harald Krebs und Sharon Krebs, University of Victoria, Kanada.

Die langjährigen Forschungen wurden gefördert durch


Josephine Karoline Lang wird am 14. März 1815 in München geboren. Beide Eltern sind Musiker, der Vater ein Mitglied des Hoforchesters, die Mutter eine berühmte Opernsängerin. Josephine ist ein Wunderkind; schon in frühen Jahren wird ihr Klavierunterricht erteilt, und mit fünf Jahren beginnt sie zu komponieren. Mit zwölf Jahren gibt sie schon selbst Klavierunterricht, um das kärgliche Einkommen ihres Vaters zu ergänzen. Sie verkehrt im Hause ihres Paten, des Hofmalers Joseph Stielers, und trifft dort eine Anzahl der musikalischen Größen jener Zeit, darunter Felix Mendelssohn-Bartholdy und den Dirigenten und Komponisten Ferdinand Hiller. Mendelssohn, der sie auf der Durchreise in den Jahren 1830 und 1831 ihre Lieder vortragen hört, ist höchst beeindruckt von ihrem Talent, und gibt ihr selbst einige Stunden im Kontrapunkt und Generalbaß.

Mendelssohn gibt ihr selbst einige Stunden im Kontrapunkt und Generalbaß. Die 30er Jahre sind für sie eine äußerst produktive Zeit; in diesen Jahren entstehen viele ihrer besten Lieder. In den Jahren 1835 bis 1838 trifft sie in den Sommermonaten in Augsburg den Pianisten und Komponisten Stephen Heller. Durch ihn wird sie mit der Musik Robert Schumanns bekannt, und Schumann lernt durch Heller Langs Lieder kennen. Er rezensiert einige ihrer Lieder und veröffentlicht auch eines ("Traumbild") in einer Beilage zur Neuen Zeitschrift. Sie trifft 1840 den Dichter und Rechtsgelehrten Christian Reinhold Köstlin. Sie verlieben sich und schreiben gemeinsam viele Lieder. Sie heiraten im Jahr 1842, und Josephine Lang folgt ihrem Mann nach Tübingen, wo er an der Universität Rechtslehre doziert.

Sie trifft 1840 den Dichter und Rechtsgelehrten Christian Reinhold Köstlin. Während den 14 Jahren ihrer glücklichen Ehe hat Lang wenig Zeit zum komponieren. Die sechs Kinder, eines davon gelähmt, nehmen ihre Zeit völlig in Anspruch. Köstlin erkrankt in den frühen 1850er Jahren an einem Halsleiden, muss seine Tätigkeit an der Universität einstellen, und stirbt 1856. Nach seinem Tode bleibt Josephine Lang in Tübingen und versucht, ihre Familie hauptsächlich durch Gesangsunterricht zu ernähren. Aus Gesundheitsgründen kann sie aber nicht viele Stunden erteilen. Sie sucht ihre alten Notenhefte hervor und schreibt auch neue Lieder, in der Hoffnung, durch ihre Veröffentlichung etwas Geld zu verdienen. Nach vielen Enttäuschungen wendet sie sich 1859 an zwei einflußreiche Bekannte, nämlich Clara Schumann und Ferdinand Hiller. Beide sind ihr behilflich, und einige ihrer Liederhefte erscheinen im Druck.

Später im gleichen Jahr, 1880, scheidet auch Josephine Lang aus diesem Leben. Hiller schreibt 1867 einen biographischen Aufsatz über sie, der viel dazu beiträgt, daß sie wieder in der Öffentlichkeit bekannt wird. Sie macht in den Jahren ihrer Witwenschaft viel Schweres durch. Ihr ältester Sohn Felix, Mendelssohns Patenkind, wird geisteskrank und muß in die Anstalt Winnental eingeliefert werden, wo er 1868 in einem Feuer umkommt. Der gelähmte Sohn, Theobald, stirbt 1873. Die zwei Töchter verheiraten sich und ziehen in ferne Städte. 1880 stirbt auch der dritte Sohn, Eugen. Später im gleichen Jahr, am 2. Dezember, scheidet auch Josephine Lang aus diesem Leben.

Bibliographie und Diskographie

von Prof. Dr. Harald und Sharon Krebs finden Sie unter Josephine Lang: Rezeption in MuGi

Datenbank

Unsere Arbeit an dieser Datenbank begann im Frühjahr 1994, als wir anfingen, uns für die Komponistin Josephine Lang zu interessieren.

Wir hatten erfahren, daß ihr musikalischer Nachlaß sich an der Württembergischen Landesbibliothek befände, und statteten der Bibliothek einen kurzen Besuch ab, um zu ermitteln, um wieviele Materialien es sich handele. Es wurden uns drei Kästen voller Manuskripthefte und ein Bündel von losen Blättern vorgelegt. Wir merkten nach kurzem Blättern, daß von manchen Liedern einige Versionen existierten, meistens auf mehrere Hefte verteilt. Wir beschlossen daraufhin, ein Verzeichnis der Manuskripte anzufertigen, das uns und anderen Forschern ermöglichen würde, alle Versionen eines bestimmten Liedes schnell zu finden. An diesem Verzeichnis arbeiteten wir in den folgenden Jahren, während kurzer Aufenthalte in Stuttgart, immer weiter.

Im Jahre 2000, während eines längeren Aufenthaltes, stellten wir die vorliegende Version des Verzeichnisses fertig. Unsere Forschungsaufenthalte wurden seit 1998 von der Social Sciences and Humanities Research Council of Canada unterstützt, und im Jahre 2000 auch von dem Deutschen Akademischen Austauschdienst und der University of Victoria. Wir sind sehr dankbar für diese Unterstützung, ohne die es uns nicht möglich gewesen wäre, die Forschungen durchzuführen. Auch Fr. Krekler und Hrn. Dr. Heinzer in der Handschriftenabteilung der Württembergischen Landesbibliothek danken wir herzlich für ihre freundliche Hilfe während unserer vielen Stunden in ihrem Lesesaal. Herr Dr. Reiner Nägele, Leiter der Musikabteilung der Württembergischen Landesbibliothek hat uns, seitdem wir ihm 1999 unser Vorhaben eröffneten, mit großem Enthusiasmus beigestanden. Auch ihm, und dem EDV-Team der Bibliothek, das diese Datenbank realisiert hat, sind wir sehr dankbar.

Es ist möglich, nach Druck-Titel, nach Text-Inzipit, nach Opuszahl, nach Jahrgang und nach Dichternamen zu suchen. Die Druck-Titel weichen oft ab von den Titeln im Manuskript; wir haben also letztere auch angegeben. Auch bei Text-Inzipits gibt es Abweichungen von der gedruckten Form des Textes; diese Abweichungen sind jeweils angegeben. Man kann in jedem Fall nach dem gedruckten Inzipit suchen. Manuskript-Titel und Text-Inzipite sind, mit Ausnahme von eingeklammerten Worten, genau transkribiert (mit alter Orthographie und mit Fehlern).

Wir haben uns Mühe gegeben, die Dichter der Texte zu bestätigen (da wir gewahr wurden, zum Teil mit Hilfe der Heine-Experten an der Heinrich-Heine-Gesellschaft in Düsseldorf, daß Langs eigene Dichterangaben manchmal nicht stimmten). Am Deutschen Literaturarchiv in Marbach, an der Deutschen Staatsbibliothek in Berlin, der Bayerischen Staatsbibliothek, der Österreichischen Nationalbibliothek, der Wiener Stadt- und Landesbibliothek u.a. schlugen wir in vielen obskuren Gedichtbänden nach, um Langs Texte aufzufinden und dadurch die angegeben Dichter zu bestätigen und die nicht angegeben zu ermitteln. Die Ergebnisse dieser Forschungen finden sich in den Sparten "Dichter" und "Dichter-Bestätigung".

Josephine Lang hat oft auf ihren Autographen zwei Daten angegeben - ein Kompositionsdatum, und das Datum der Niederschrift (oft Monate auseinander!). In der Sparte "Datum" ist jeweils nur das Kompositionsdatum angegeben. Es wäre in manchen Fällen möglich gewesen, das Kompositionsdatum eines Liedes annäherungsweise zu bestimmen, auch wo eine autographe Angabe fehlt. In dieser Datenbank sind aber nur die Kompositionsdaten genannt, die Josephine Lang ausdrücklich angab. Bei der Suche nach "Jahrgang" bedeutet das Ausbleiben von Treffern also nicht unbedingt, daß Josephine Lang in diesem Jahre nichts komponierte; es bedeutet nur, daß keine ausdrücklich datierten Manuskripte aus diesem Jahrgang vorhanden sind.

Eine Anzahl der Manuskripte sind nicht autograph; wenigstens fünf verschiedene Kopisten haben Josephine Langs Lieder abgeschrieben. Bei jedem Manuskript gibt unsere Datenbank an, ob es autograph ist oder nicht. In manchen Fällen ist es nicht eindeutig, ob ein Manuskript autograph ist oder nicht - daher ein Fragezeichen in dieser Sparte. Wir haben versucht, die verschiedenen Versionen eines bestimmten Werkes chronologisch einzuordnen (anhand von eigenhändiger Datierung; Vergleichung mit der veröffentlichten Version, wenn es eine gibt; der Einbeziehung in einer gewissen Version von Korrekturen aus anderen Versionen, usw.).

Die Sparte "Version" ist nützlich für Sucher, die Kopien bestellen möchten (was durch die Handschriftenabteilung der Württembergischen Landesbibliothek möglich ist). Wer z.B. eine saubere Kopie eines unveröffentlichten Werkes wünscht (zu Aufführungszwecken), sollte eine Version mit hoher Zahl bestellen. Wer sich für die Genese eines bestimmten Liedes interessiert, sollte Versionen mit niedrigen Zahlen bestellen. (Manchmal finden sich aber auch in den saubersten Abschriften noch Bleistiftkorrekturen, was in der Datenbank angegeben ist.)

Wir haben sämtliche Angaben auf allen Autographen transkribiert; sollten Besteller bestimmter Manuskripte Fragen über diese Angaben haben, dürfen sie sich gerne an Prof. Dr. Harald Krebs, wenden.

Zu vielen Manuskripten haben wir weitere Informationen, die nicht in die Datenbank einbezogen werden konnten. Auf vielen Autographen hat Josephine Lang, z. B. Details über die Kompositionsumstände niedergeschrieben (genaue Tageszeit, Ort der Komposition, Datum der Niederschrift, ihr Gesundheitszustand, usw.). In die Datenbank haben wir nur das Kompositionsdatum, wo es auf einem Autograph ausdrücklich angeben ist, einbezogen. Wir haben aber sämtliche Angaben auf allen Autographen transkribiert; sollten Besteller bestimmter Manuskripte Fragen über diese Angaben haben, dürfen sie sich gerne an Prof. Dr. Harald Krebs, hkrebs@finearts.uvic.ca , wenden. Auch die mannigfaltigen Notizen auf Titelblättern, die sich in mehreren Heften finden, haben wir transkribiert, und sind bereit, Fragen darüber zu beantworten.

Prof. Dr. Harald Krebs, Sharon Krebs, Dezember 2000.

Kompositions-Datenbank Josephine Lang:


Kontakt Prof. Dr. Harald Krebs: hkrebs@finearts.uvic.ca