Luther-Bibel 1545
Lutherbibel-Ausgabe letzter Hand mit gefälschtem Luther-Autograph
Luther, Martin (Übers.): Biblia: das ist: Die gantze Heilige Schrifft: Deudsch
Wittenberg: Hans Lufft, 1545
Bb deutsch 1545 02

Ein besonderes Exemplar der sog. „Ausgabe letzter Hand“ der Lutherbibel, also der letzten noch von Luther persönlich revidierten Ausgabe, gelangte über die 1784 erworbene Sammlung des Kopenhagener Pastors Josias Lorck in die WLB. Es enthält drei Autographen von Weggefährten Luthers auf dem vorderen Vorsatz bzw. hinteren Spiegel. Dabei handelt es sich um lateinische bzw. griechische Bibelzitate mit kurzen Auslegungen durch Johannes Bugenhagen (1485-1558), Philipp Melanchthon (1497-1560) sowie Georg Maior (1502-1574). Strukturell ähnlich gestaltet, jedoch in deutscher Sprache sticht jedoch ein mit „Martinus Luther“ unterschriebener und auf Luthers Todesjahr 1546 datierter Zettel ins Auge, der auf den vorderen Spiegel geklebt wurde.

Dort wurden drei Schriftstellen (Johannes 5,39; Römer 15,4; 2. Timotheus 3,16) wiedergegeben und mit komprimierten Erläuterungen versehen, die das Wesen und die Wirkung der Bibel im Sinne des reformatorischen Schriftprinzips andeuten. Zweimal betonte Luther dabei, „das Gott selbst in der Schrifft mit uns redet“. Inhaltlich und sprachlich besteht keinerlei Zweifel an einer Zuordnung zu Luther.
Allerdings ist sich die Forschung durch einen Vergleich der Handschriften einig, dass der Eintrag nicht von Luthers Hand stammt (vgl. das beigefügte Schreiben von Otto Albrecht, 8.9. bzw. 27.9.1919). Möglicherweise hat ein sehr früher Schreiber die drei Zitate mit den Kurzexegesen aus unterschiedlichen Bänden entnommen und zusammengestellt, „denn es ist ungewöhnlich, daß Luther so in ein Buch die Spruchauslegungen eingezeichnet haben sollte“ (WA 48, S. 136f. mit Transkriptionen). Da die anderen drei Reformatoren-Einträge von 1548 stammen, ist es sehr wahrscheinlich, dass – zumal Luther bereits im Februar 1546 verstorben war – ein Schreiber dazu passend ein Blatt mit originalen Lutherzitaten und in gewisser Anlehnung an Luthers Schrift erstellt und eingeklebt hat. Damit sollte vermutlich die Zusammenstellung komprimierter reformatorischer Theologie als Lesehilfe für die Lektüre dieses Exemplars durch den wichtigsten Namen komplettiert werden.
Christian Herrmann