Ernst Richard Neumann
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Ernst Richard Neumann (1875-1955) war Mathematikprofessor und Unteroffizier im militärischen Wetterdienst während des Ersten Weltkrieges.
Seine persönlichen Berichte über die Vorbereitungen zur Zwölften Isonzoschlacht und die Besetzung Udines im Oktober 1917 sind frei zugänglich in den Digitalen Sammlungen der Württembergischen Landdesbibliothek zu finden: http://digital.wlb-stuttgart.de/purl/kxp1821580680
Eine annotierte Leseabschrift ist unter folgendem Link als PDF verfügbar: http://wlb-stuttgart.de/projekte/themenportal-erster-weltkrieg/tagebuch-neumann/abschrift
Die Manuskripte, zahlreiche Briefe an Ernst Richard Neumann von seiner Frau Johanna, seiner Schwester Helene sowie weiterer Familienmitglieder aus den Jahren 1914 bis 1918 befinden sich unter der Archivsignatur N21.5 in der Lebensdokumentensammlung der Bibliothek für Zeitgeschichte / Württembergische Landesbibliothek und können im Sonderlesesaal eingesehen werden. Kontakt: bfz@wlb-stuttgart.de
Einleitung
von Tobias Thelen, Stuttgart 2023
Ernst Richard Neumann wurde 1875 in Königsberg (Ostpreußen) geboren. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges war er Professor für Mathematik an der Universität Marburg und wurde zunächst zu einem Landsturmregiment eingezogen. Es folgte eine Versetzung zum militärischen Wetterdienst und die Beförderung zum Unteroffizier.
Die vorliegenden Berichte, die er zwischen dem 26. Oktober und 16. Dezember 1917 verfasste, gingen vermutlich per Feldpost an seine Familie in Marburg. Neumann beschreibt darin die Rückkehr zu seiner Einheit, der Feldwetterwarte 125 (später Armeewetterwarte 19), nach einem Heimaturlaub im September 1917. Zu diesem Zeitpunkt ist die Warte noch in Kurland stationiert.
Dort angekommen erfährt er, dass es während seiner Abwesenheit Umstrukturierungen gegeben hat und die Einheit verkleinert wurde. Zudem bekommt er einen neuen Vorgesetzten, einen jungen Leutnant. Die Warte soll sich abmarschbereit machen und wird anschließend auf einen Zug verladen. Dass er in Kurland nicht „irgend etwas aus einiger Nähe“ erleben durfte, bedauert Neumann. Über verschiedene Stationen wird seine Einheit nach Slowenien an die Isonzofront befördert. Dort beginnen im Oktober die Vorbereitungen der neu formierten 14. Armee unter dem General der Infanterie Otto von Below zur Zwölften Isonzoschlacht. Die für die Offensive notwendige Verlegung einer großen Anzahl von Soldaten und Massen an Material ist geländebedingt ein aufwändiges und komplexes Unterfangen, das durch starken Regen damals zusätzlich erschwert wird. Zudem sind die eingesetzten deutschen Truppen unerfahren im Gebirgskrieg.

Neumann ist beeindruckt von der Größe des Aufmarsches und hält seine Beobachtungen in den vorliegenden Berichten detailreich fest. Er gibt Einblicke in die Organisation des militärischen Wetterdienstes, dem er aber keine bedeutende Rolle beimisst. Wiederholt lässt er sich über die mangelnden dienstlichen Fähigkeiten und charakterlichen Schwächen seines Vorgesetzten aus. Das wechselseitige Verhältnis der deutschen Truppen zur österreichischen, slowenischen und italienischen Zivilbevölkerung, aber auch Kampfmoral und Verhalten der verbündeten Truppen werden von ihm kritisch kommentiert. So verurteilt er die nach dem Einmarsch in Udine üblichen Plünderungen – zur Requirierung von Beutegut für die Heimat sieht er sich hingegen berechtigt.
Ein Bericht über die eigentliche Schlacht liegt nicht vor. Neumanns Berichte decken den Aufmarsch der deutschen Truppen im Vorfeld der Offensive sowie das direkte Nachspiel der Kampfhandlungen ab, bei denen es den deutschen Truppen gelang, die italienischen Linien zu durchbrechen.
Diese anfänglichen Erfolge in Italien konnten den Ausgang des Krieges nicht entscheidend zu Gunsten der Deutschen ändern. Knapp ein Jahr später kapitulierte das Deutsche Reich.
1918 wurde Neumann noch an der Westfront in Frankreich eingesetzt und kehrte nach seiner Entlassung aus dem Militär nach Marburg an die Universität zurück. Dort lehrte er bis 1946. Nach seiner Emeritierung lebte er in Bad Homburg, wo er 1955 verstarb.
Links
- Neumann, Ernst Richard: Persönliche Berichte über die Vorbereitungen zur Zwölften Isonzoschlacht und die Besetzung Udines im Oktober 1917 (elektronische Reproduktion, Signatur des Originals: N21.5). Link: http://digital.wlb-stuttgart.de/purl/kxp1821580680 (Stand: 14.03.2024).
- Neumann, Ernst Richard: Persönliche Berichte über die Vorbereitungen zur Zwölften Isonzoschlacht und die Besetzung Udines im Oktober 1917. Annotierte Abschrift. Stuttgart: Württembergische Landesbibliothek, 2023 (PDF). Link: http://wlb-stuttgart.de/projekte/themenportal-erster-weltkrieg/tagebuch-neumann/abschrift (Stand: 14.03.2024).
- Weitere Informationen über Ernst Richard Neumann auf der Seite der Franz-Neumann-Stiftung. Link: https://www.franz-neumann-stiftung.net/Ernst_Richard_Neumann.html (Stand: 14.03.2024).