Curt Wilhelm Michael
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Curt Wilhelm Michael (1884-1945), Soldat im Fußartillerie-Bataillon 22 an der Ostfront.
Das Tagebuch ist unter folgendem Link frei zugänglich in den Digitalen Sammlungen der Württembergischen Landesbibliothek zu finden: http://digital.wlb-stuttgart.de/purl/kxp1745007342
Eine Leseabschrift angefertigt von Matthias Springborn ist unter folgendem Link als PDF verfügbar: https://www.wlb-stuttgart.de/projekte/themenportal-erster-weltkrieg/tagebuch-michael/abschrift
Original-Tagebuch befindet sich unter der Signatur N21.1 in der Lebensdokumentensammlung der Bibliothek für Zeitgeschichte in der Württembergischen Landesbibliothek und kann im Sonderlesesaal eingesehen werden. Kontakt: bfz@wlb-stuttgart.de
Einleitung
von Michael Springborn, Berlin 2022
Curt Wilhelm Michael wurde am 29.12.1884 in Halle/Saale als zweiter von drei Söhnen eines angesehenen Hallenser Kaufmanns geboren. Er studierte Philologie und Philosophie in München, Leipzig, Heidelberg und Halle/Saale. Dort promovierte er auch über den Dichter Ludwig Hölty. Er verfasste selbst auch Gedichte sowie theologisch-wissenschaftliche Schriften. Er war Lehrer in Halle/Saale, Torgau und Quedlinburg, 1918 am Kloster Unser Lieben Frauen in Magdeburg, Schulleiter verschiedener theologischer Seminare der Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten: 1923 in Neandertal bei Düsseldorf, 1928 in Friedensau bei Magdeburg, 1934 in Darmstadt, 1939 bis 1943 wieder in Friedensau. Dort wurde er nach dem Einmarsch der sowjetischen Armee 1945 als Gefangener mitgenommen. Eine persönliche Nachricht von ihm gab es danach nicht mehr. Aufgrund von Berichten anderer Gefangener wurde er für tot erklärt (offizielles Todesdatum ist der 15.11.1945, Landsberg/Warthe).
Sein Tagebuch hat er Mitte Februar 1915 begonnen. Es reicht allerdings zurück bis zum November 1914. Es ist mit Bleistift in einer Kladde in Sütterlin geschrieben. Er berichtet über die Einberufung, die Sammlung in Magdeburg-Sudenburg, Abschied und die erste Station in Lötzen (Masuren). Er beschreibt seinen weiteren Weg, der ihn als Funkmelder von Masuren durch das heutige Polen bis nach dem heutigen Belarus (Zhukovshchina, gelegen etwa in der Mitte zwischen Minsk und der Staatsgrenze zwischen Polen und Belarus) führte. Im Anhang des Transskripts geben Tabellen Auskunft, wo die im Tagebuch genannten Orte im Kartenwerk „Landkarte des westlichen Russland“ zu finden sind und wie sie heute heißen. Nach einer Verwundung im Dezember 1915 aufgrund eines Unfalls und Aufenthalt im Lazarett in Berlin kam er im Januar 1916 wieder an die Ostfront. Der Weg führte aber ab Juni wieder westwärts. Nach einer Berichtspause von rund 4 Monaten schreibt er im Oktober 1916 stichwortartig über die Verlegung von Magdeburg nach Frankreich an die Westfront.
Curt Wilhelm Michael beschreibt das Erlebte mit Emotionen, aber weitgehend ohne Pathos. Allerdings hat auch ihn die Gewissheit getragen (basierend auf seinem Gottvertrauen), dass der Krieg gewonnen wird, da es sich um eine gerechte Sache handele. Er beschreibt die Lebensverhältnisse zuerst in den Kasernen, dann „im Feld“. Immer wieder berichtet er über Gespräche mit Kameraden und auch Vorgesetzten über weltanschauliche Fragen. Dabei nahm das Thema „Alkoholgenuss“ wohl einen breiten Raum ein, da er Abstinenzler war und das Umfeld eher eine gegenteilige Ausprägung hatte. Auch militärische Überlegungen und Beschreibungen der Lage, von Frontlinien, Stellungen oder von Vorgehensweisen beim Vormarsch oder Taktiken gegenüber dem Feind werden angesprochen. Über die russischen Soldaten äußert er sich zwiespältig. Zum einen lobt er an manchen Stellen den Mut der Russen; auf der anderen Seite betont er aber auch deutlich die empfundene Rückständigkeit des Landes und seiner Armee. Ein weiteres Thema ist die Beschreibung der Landschaft und der Dörfer und Städte, durch die seine Einheit gezogen ist, sowie auch von Begegnungen mit den Bewohnern (dies allerdings vor allem im Reichsgebiet). Schließlich enthält das Tagebuch sehr persönliche Aufzeichnungen und Gedanken (zum Teil in Gedichtform), die sich um seine zukünftige Frau drehen (zum Zeitpunkt der Tagebuchaufzeichnungen war die Beziehung im Entstehen) sowie um sein Verhältnis zu Gott.
Während der größte Teil des Tagebuchs recht detailliert berichtet, ändert sich das grundlegend ab Oktober 1915; hier liegen nur kurze Einträge und Stichworte vor. Der Grund ist nicht bekannt.
Links
- Michael, Curt Wilhelm: Tagebuch (elektronische Reproduktion, Signatur des Originals: N21.1). Link: http://digital.wlb-stuttgart.de/purl/kxp1745007342 (Stand: 14.03.2024).
- Michael, Curt Wilhelm: Tagebuch. Abschrift von Matthias Springborn. Berlin, 2022 (PDF). Link: http://www.wlb-stuttgart.de/projekte/themenportal-erster-weltkrieg/tagebuch-michael/abschrift (Stand: 14.03.2024).