Georg Göhmann
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Georg Göhmann (1875-1932), Rittmeister der Reserve und Feldkriegsgerichtsrat an der Westfront.
Persönliche Kriegserinnerungen 1914-1919
Die einzelnen Hefte sind frei zugänglich in den Digitalen Sammlungen der Württembergischen Landdesbibliothek zu finden:
Annotierte Leseabschrift angefertigt von Andreas Göhmann (PDF)
Die Original-Tagebücher befinden sich unter der Archivsignatur N22.2 in der Lebensdokumentensammlung der Bibliothek für Zeitgeschichte / Württembergische Landesbibliothek und können im Sonderlesesaal eingesehen werden. Kontakt: bfz@wlb-stuttgart.de
Einleitung
von Andreas Göhmann, Hannover 2022
In dem nach dem Tode meiner Eltern in den Jahren 2014/2015 auf mich übergegangenen Familienarchiv stieß ich auf die in drei Notizheften mit je 80 Blättern (9 x 15 cm groß) von meinem Großvater Georg Göhmann (1875-1932) handschriftlich in der deutschen Kanzlei oder Kurrentschrift verfassten persönlichen Kriegserinnerungen aus den Jahren 1914-1919. Die Erinnerungen zeichnen sich durch detaillierte Beobachtungen und eine lebendige Sprache aus. Die Vielfältigkeit des Kriegsgeschehens hinter der Front in Flandern und im „korbflechtenden“ Teil der Champagne, ferner die den Verfasser unmittelbar betreffenden Umstände und Erlebnisse werden treffend und anschaulich geschildert, und zwar durchgehend sonnabends in wöchentlichen Rückblicken. Um die Mühe des Entzifferns nicht vergeblich aufgewendet zu haben und um Verwandte und interessierte Freunde an der Lektüre teilhaben lassen zu können, habe ich am Rechner eine annotierte Leseabschrift erstellt.
Neben den handschriftlich verfassten persönlichen Kriegserinnerungen 1914-1919 gibt es als Zusammenfassung einen 10-seitigen Beitrag von Georg Göhmann, der 1929 in Band II über das 2. Hannoversche Dragoner-Regiment Nr. 16 im Weltkriege 1914-1918 unter dem Titel „Als Feldkriegsgerichtsrat in der Etappe und bei der Truppe“ abgedruckt ist. Der Beitrag enthält überdies Bemerkungen über die Militärgerichtsbarkeit und die Art der Straftaten, mit denen Georg Göhmann es zu tun hatte. Der gedruckte Beitrag hat das Erstellen der Abschrift erleichtert, erreicht in seiner Abstraktheit aber nicht die Lebendigkeit der handschriftlichen Aufzeichnungen.
Georg Göhmann, geboren am 29. Mai 1875 und aufgewachsen in der elterlichen Stadtvilla in der Jägerstraße 5 westlich des Beginns der Herrenhäuser Allee in Hannover, starb am 6. Oktober 1932 in eben diesem Hause durch eigene Hand, offenbar nach längerer Krankheit. Über dieses tragische Ende wurde in der Familie kaum gesprochen. Seine aus Odessa stammende Frau Brunhilde, genannt Hilda, musste die vier Kinder Else (1910-1995), Gertrud (1919-1999), Rudolf (1921-2014) und Franz (1923-1943; gefallen in der Ukraine) – damals 21, 12, 11 und 9 Jahre alt – durch die schwierigen Zeiten des Nationalsozialismus und den 2. Weltkrieg geleiten. Die Zerstörung des Hauses in der Jägerstraße bei einem Bombenangriff im Oktober 1943 blieb der Familie nicht erspart.
Georg Göhmann hatte in Hannover das sog. Lyzeum II, die spätere Goetheschule, und später in Ilfeld im Harz ein Internat, die Klosterschule, besucht. Möglicherweise war der frühe Tod des Vaters Rudolph (1841-1889), als Georg gerade 14 Jahre alt war, ein Grund für den Wechsel ins Internat. 1895 begann Georg Göhmann in Bonn das Studium der Rechte und wurde bei dem Corps Palatia Bonn aktiv, ebenso wie drei Jahre später sein jüngerer Bruder Richard Göhmann (1879-1961). Anschließend setzte Georg Göhmann sein Studium in Göttingen fort. Nach dem Referendarexamen 1897 und dem Assessor-Examen 1903 ermöglichte seine aus Harburg stammende Mutter Elisabeth, geb. Hastedt (1854-1937), Georg eine einjährige Reise durch Nordamerika (U.S.A., Kuba, Mexico) mit anschließenden Aufenthalten in London und Paris. Aus dieser Zeit gibt es Tagebücher und Briefe, die alle in derselben Kanzlei- oder Kurrentschrift verfasst sind wie die Kriegserinnerungen. 1910 wurde Georg Göhmann Landrichter in Lüneburg. Er war zudem Reserveoffizier der Kavallerie (Leutnant 1901, Oberleutnant 1911) und gehörte dem 2. Hannoverschen Dragonerregiment Nr. 16 an. Sein Werdegang und die erworbenen Sprachkenntnisse mögen die Verwendung als Feldkriegsgerichtsrat an der Westfront des 1. Weltkrieges erklären. Weihnachten 1914 wurde Georg Göhmann zum Rittmeister befördert und 1915 wurde ihm das Eiserne Kreuz II. Klasse verliehen. Seine Frau Hilda hatte Georg Göhmann im Jahre 1909 bei einer Hochzeitsfeier im damaligen hannoverschen Hotel Tiergarten kennengelernt. Hilda, geb. Meyer (1888-1982), damals 21 Jahre alt, war ebenso wie ihre Eltern Reichsdeutsche und gehörte der ev.-luth. Kirchengemeinde in Odessa an. Nach Sprachaufenthalten in London und Paris besuchte Hilda eine Freundin, die sie in Paris kennengelernt hatte, in Hannover zu deren Hochzeit. Anschließend fuhr Hilda nach Westerland auf Sylt. Georg Göhmann und ein befreundeter Rechtsanwalt aus Hannover reisten ihr nach, um ihr einen Heiratsantrag zu machen. Georgs Antrag wurde angenommen. Die Trauung erfolgte am 6. Dezember 1909 in der Christuskirche in Hannover. Die Hochzeit wurde im Hotel Luisenhof gefeiert, und die Hochzeitsreise führte Georg und Hilda dann auch nach Odessa. Die älteste Tochter Else wurde am 13. Oktober 1910 bereits in Lüneburg geboren. Dort wohnte die junge Familie in der Lübecker Str. 15, nachdem der Ehemann mit Wirkung ab 1. Juli 1910 zum Landrichter in Lüneburg ernannt worden war. Georg Göhmann hat Else öfters in seinen Aufzeichnungen erwähnt und muss ihr herzlich zugetan gewesen sein. Dies ist die familiäre Ausgangslage zu Beginn des 1. Weltkrieges. Noch während des Krieges wurde Georg Göhmann zum Landgerichtsrat ernannt. Nach einer sich anschließenden kurzen Tätigkeit am Landgericht Frankfurt am Main kam er 1920 als Landgerichtsdirektor an das Landgericht Hannover. Später war er auch Vorsitzender des erweiterten Schöffengerichts in Hameln. In einem Nachruf heißt es, dass der Verstorbene wegen seiner lauteren Gesinnung und seines vornehmen Charakters in allen Kreisen der Justizbeamten hochgeschätzt war.
Links
- Göhmann, Georg: Persönliche Kriegserinnerungen. Teil I: Bei der Etappe (elektronische Reproduktion, Original in Familienbesitz). Link: http://digital.wlb-stuttgart.de/purl/kxp1796911895 (Stand: 14.03.2024).
- Göhmann, Georg: Persönliche Kriegserinnerungen. Teil II: Bei der Truppe (elektronische Reproduktion, Original in Familienbesitz). Link: http://digital.wlb-stuttgart.de/purl/kxp1796914657 (Stand: 14.03.2024).
- Göhmann, Georg: Persönliche Kriegserinnerungen. Teil III: Der Endkampf (elektronische Reproduktion, Original in Familienbesitz). Link: http://digital.wlb-stuttgart.de/purl/kxp1796915750 (Stand: 14.03.2024).
- Göhmann, Georg: Persönliche Kriegserinnerungen. Annotierte Abschrift von Andreas Göhmann. Hannover, 2022. (Abschrift, PDF). Link: http://wlb-stuttgart.de/projekte/themenportal-erster-weltkrieg/tagebuch-goehmann/abschrift (Stand: 14.03.2024).
- Göhmann, Georg: Als Feldkriegsgerichtsrat in der Etappe und bei der Truppe. In: Dietze, Seip: Das 2. Hannoversche Dragoner-Regiment Nr. 16 im Weltkriege 1914-1918. Teil II. Berlin: Kolk, 1929, S. 471-480.