Wilhelm Eid

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Bibliothek für Zeitgeschichte / Themenportal Erster Weltkrieg / Tagebücher


Wilhelm Eid (1887-1956), Postbeamter aus Barmen und Unteroffizier im Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 53


Wilhelm Eid in Uniform

Eid war durchgängig an der Wesfront (Belgien, Frankreich) eingesetzt. Unter anderem nahm er 1916 an der Schlacht um Verdun teil. Von September 1918 bis Oktober 1919 befand er sich in britischer Kriegsgefangenschaft in Oswestry / Wales.

Elektronische Reproduktion seiner Kriegstagebücher:

Edierte Transkription von Joachim Rettig (PDF, 65 MB)

Es gibt auch eine englische Übersetzung des Tagebuchs Nr. 5

Die Original-Tagebücher befinden sich unter der Signatur N17.9 in der Lebensdokumentensammlung der Bibliothek für Zeitgeschichte in der Württembergischen Landesbibliothek und können im Sonderlesesaal eingesehen werden. Kontakt: bfz@wlb-stuttgart.de


Einleitung

von Joachim Rettig, 2017

Meine Mutter, die älteste von Wilhelm Eids vier Töchtern, ist am 7. Januar 2017 im hohen Alter von fast 94 Jahren gestorben. In ihrem Nachlass fand sich das Kriegstagebuchmeines Großvaters, von dessen Existenz ich bis dato nichts wusste. Es zu lesen gestaltete sich etwas schwierig, 158 handschriftlich in Sütterlin verfasste Seiten in einer Kladde, in der das Geschehen vom 6. August bis zum 30. April 1917 beschrieben ist. Wilhelm Eid hat die handschriftlichen Aufzeichnungen, die während des Krieges erstellt wurden, später aus ursprünglichen, kleinformatigen Tagebüchern noch einmal sauber in diese Kladde abgeschrieben. Er wollte (hatte?) sich dazu entsprechende Lehrbücher über Grammatik und Rechtschreibung besorgen (besorgt), wie aus einer ausgeschnittenen Kleinanzeige hervorgeht. Allerdings ist er aus nicht näher bekannten Umständen (glücklicherweise) nicht mehr dazu gekommen, die restlichen Originaltagebücher auch abzuschreiben, denn es gibt neben der Kladde vier Notizbücher im Format von ca. 9,5 x 15 cm (nummeriert von 8 – 10, und das letzte ohne Angabe), die teils mit Bleistift oder Tinte geschrieben, leider teilweise sehr schwer zu lesen sind, und den Zeitraum vom 1. Mai 1917 - 30. Oktober 1919 einschließlich seiner Kriegsgefangenschaft in Oswestry, England beschreiben. Dass zwischen dem Ende von Notizbuch Nr. 10 und dem Anfang des nicht nummerierten letzten Notizbuches der Zeitraum vom 16. Juni bis 24. August 1918 fehlt, bedeutet mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, dass ein weiteres Notizbuch leider verloren gegangen ist, obwohl dieser Zeitraum für ein weiteres Notizbuch relativ kurz wäre und das Notizbuch Nr. 10 nicht bis zum Ende vollgeschrieben ist. Wenn Wilhelm Eid, aus welchen Gründen auch immer, im fehlenden Zeitraum keine Möglichkeit gehabt hätte, zu schreiben, würde sich sicher im nächsten, d.h. letzten Notizbuch ein Hinweis darauf finden, dem ist aber leider nicht so. Bei einem der Notizbücher (Nr. 10) handelt es sich um ein offensichtlich vom Militär herausgegebenes „Kriegsmerkbuch“ mit vielfältigen Informationen, welches wohl an die Soldaten für eigene Aufzeichnungen verteilt worden ist, s. Fotos auf Seite 140-143 und 155-162.

Es ist faszinierend, so schrecklich der 1. Weltkrieg auch war. Wilhelm Eid beschreibt seine Kriegserlebnisse neutral, selten - wenn überhaupt - wertend. Die Frage nach dem „Warum?“ stellt er nicht, im Gegenteil, es ist eine Beschreibung seines Jobs als Soldat im Ernstfall. Und mit jeder Seite wird dem Leser die Sinnlosigkeit des Krieges in eindrucksvoller Weise vor Augen geführt, insbesondere bei der Beschreibung der Schlacht um Verdun (21.02. – 15.12. 1916), an der er vom 21. Februar bis 25. Oktober 1916 teilnahm. Trotzdem entbehrt das Buch hier und da nicht eines gewissen trockenen Humors, wenn er z. B. schreibt, dass „die Franzosen wieder eiserne Grüße schicken“. Auch einige wenige sehr emotionale Passagen sind vorhanden, wenn es z.B. um Weihnachten an der Front geht. Das Notizbuch Nr. 8 schließt nahtlos an den Inhalt der Kladde an, überlappt sich sogar mir dieser; den überlappenden Zeitraum vom 17. - 30. April hat Wilhelm Eid schlicht und ergreifend aus dem Notizbuch herausgeschnitten, wahrscheinlich, um immer sofort zu wissen, an welcher Stelle er weiter abschreiben musste. Daher sind die Originale - entsprechend dem Inhalt der Kladde unwiederbringlich verloren.